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Er predigt für Tausende
Statt das Geschäft seines Vaters in Bülach zu übernehmen, wurde Erich Engler Pastor. Heute führt er eine Freikirche und predigt online.


Vor acht Jahren gründete der Bülacher Erich Engler in Rapperswil seine «Familienkirche». Heute hat diese Freikirche 150 Mitglieder. Seine Predigten aber wurden im letzten Jahr 50 000-mal gehört: dank dem Internet. «Als wir die ersten Dateien auf unsere Website stellten, hätten wir nie gedacht, dass sie auf solch grosses Echo stossen würden», sagt der Pastor. Doch als eine Gratiszeitung darüber berichtete, wurden Englers Gottesdienste über Nacht zum Renner.

Pastor statt Geschäftsmann
Inzwischen hat er seine «erste Internet-Kirche der Schweiz» ausgebaut: Neben den Hörpredigten lassen sich seit zwei Wochen auch Video-Aufzeichnungen der Gottesdienste per Web anschauen. Künftig sollen seine Worte sogar live übers Netz gesendet werden.

Begonnen hat die Geschichte 1995, als Engler sich für einen Weg im Dienste seines Glaubens entschied. «Ich wurde vor die Wahl gestellt, den Betrieb meines Vaters in Bülach zu übernehmen, oder aber meiner Berufung zu folgen», sagt er rückblickend. Die Leitung der Radio TV Engler AG Bülach ging schliesslich nicht an den Sohn über.

Ein Plan von «Säen und Ernten»
Da Erich Engler nicht über eine Matura verfügte, um in der Schweiz Theologie zu studieren, reiste er nach Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma, um dort eine theologische Ausbildung auf privater Basis zu absolvieren. «Du kannst dort zwar auch eine Ordination kaufen, wenn du 1000 Dollar hinlegst. Aber das wollte ich ja nicht», erzählt er. Er blieb zwei Jahre dort und lernte, ähnlich wie in einer Lehre. «Wer auf diese Weise Pastor wird, der hat das Ziel vor Augen, irgendwann selber eine Institution zu gründen», ist er selber überzeugt.

Als er 1997 in die Schweiz zurückkehrte, sammelte er für weitere zweieinhalb Jahre praktische Erfahrung als Assistent bei einer Freikirche in Zürich- Altstetten. Die Familienkirche gründete er im November 1999. Sie finanziert sich, wie die meisten Freikirchen, ausschliesslich durch Spendengelder. «Unser Finanzplan heisst ganz einfach: säen und ernten», sagt der 37-Jährige.

Heute wohnt Engler in Hombrechtikon, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Aus der Reformierten Kirche ist er übrigens nie ausgetreten. Pfarrer nennen darf er sich gleichwohl nicht, da der Titel geschützt ist. Seine Gemeinde ist derzeit noch eingemietet, aber der Pastor hat Pläne, ein eigenes Gebäude zu errichten.

Eine Hauptbotschaft, die er per Internet vermitteln will, ist, dass Gott ein guter Gott sei. «Wenn Leute nur dadurch zum Glauben finden, weil sie Angst haben vor der Hölle, dann ist das gegen das Wesen Gottes», sagt Engler. «Unsere wichtigste Aufgabe als Christen ist es, den Menschen zu zeigen, dass Gott nicht zornig und richtend ist, sondern dass es sich um einen guten Gott handelt.»